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Open-Air-Kino in XXL


Im Sommer fand zum achten Mal das Open-Air-Kino im Hessischen Butzbach statt. So idyllisch das Landgrafenschloss in Butzbach als Veranstaltungs-Location auch ist - so heikel gestaltet sich das Areal für die Produktionsfirmen bei Events. Denn das über 700 Jahre alte Residenzschloss des Landgrafen Philipp von Hessen-Butzbach liegt mitten in der 25.000 Seelen zählenden hessischen Kleinstadt. Veranstaltungen jeglicher Art unterliegen somit strengen Lärmemissions-Bestimmungen. Alarmiert durch etliche besorgte Stimmen aus der Anwohnerschaft, wurden bei der Durchführung des Open-Air-Kinos vor zwei Jahren intensiv Dezibel gemessen und gleich mehrere Gutachten erstellt. Ergebnis: Das Open-Air-Kino hat nur eine Zukunft, wenn die Anwohner nicht gestört werden - wenn die Schallwellen gebündelt auf das Publikum einwirken. Die Lösung des Problems versprach der Einsatz eines Line-Array-Systems. Gregor Sauer, Sound-Consultant des Butzbacher Kinos: "Die Reflexion der angrenzenden Gebäude ist bei dieser Durchführung eine ganz besondere akustische Herausforderung. Doch das Team um Ingo Haasch und Matthias Zörb hat diese Hürde genommen." Um den Schalldruck gebündelt auf die bis zu 2400 Besucher zu lenken, entschieden sich Haasch & Co. für eine Kombination aus Electro-Voice X-Line, EV XLE (für rechte und linke Seite) und für EV XLD (Center). Ein Set-Up, das, so Gregor Sauer, nicht nur für einen ausgewogenen Sound, sondern auch für gute Sprachverständlichkeit sorgte. Die verwendeten Soundsysteme und deren Positionierung - neben und über der Leinwand - erzielten eine ausgezeichnete Richtwirkung: Das Gelände wurde optimal beschallt, hinter der Freiluft-Kinofläche war dagegen kaum mehr etwas zu hören. Bei der Dimensionierung des Systems stand weniger der maximale Schalldruck als vielmehr eine präzise kontrollierte Richtwirkung im Vordergrund. Der erste wesentliche Aspekt war, die Lautsprechersysteme nicht wie im Kinobereich üblich hinter der Leinwand zu positionieren, sondern seitlich, sowie über und unter ihr. "Nur so kann sichergestellt werden, dass die Ausbreitung einer kohärenten Wellenfront - wie sie für Linearrays typisch ist - nicht durch die Leinwand gestört wird", bestätigt Ingo Haasch. Der zweite entscheidende Punkt ist die Länge der Systeme. "Je länger ein Linearray aufgebaut ist, umso besser funktioniert die erwünschte Kontrolle des Abstrahlungsverhaltens auch bei tieferen Frequenzen. Da der Hauptanteil eines Kinofilms aus Dialogszenen besteht, musste das System bereits ab 500Hz eine ausgeprägte Richtwirkung besitzen", erläutert Gregor Sauer, "nicht zuletzt ist der Bereich zwischen 1 kHz und 4 kHz auch für den Lärmpegel besonders kritisch." Um schließlich die schwierige Balance der Frequenzbereiche und Pegel über die gesamte Tiefe der Publikumsfläche (ca. 60m x 50m) zu gewährleisten, wurden im Vorfeld zahlreiche Simulationen mit EASE und dem EV-eigenen Tool LAPS (Line Array Prediction System) durchgeführt. "Der Aufbau gestaltete sich daraufhin sehr effizient, da Höhe und Winkel der Systeme genau festgelegt waren", berichtet Matthias Zörb, dessen Firma Zörb Acustic GmbH als 'EV Pro-Partner' für den Aufbau und Betrieb der gesamten Beschallungstechnik verantwortlich zeichnete. Er fügt hinzu: "Im Kino muss der Sound der linken und rechten Systeme zum Center hundertprozentig passen, sonst fällt das Klangbild schnell auseinander." Da alle Lautsprecher biamp- bzw. triamp- betrieben wurden, und darüber hinaus in mehreren separaten Gruppen zusammengeschaltet waren, war eine optimale Feinabstimmung der Wege möglich. Wie schwierig eine Open-Air-Kino-Produktion durchzuführen ist, erklärt Ralf Bartel, Veranstalter des Butzbacher Events: "Bei Kinofilmen ist das Dynamik-Niveau extrem hoch. Auf leise Dialog-Passagen folgen oft extrem laute Action-Sequenzen - und das in einer lärmerfüllten Umgebung." Die Konsequenz ist ein bestimmter Grundpegel, unter den man nicht gehen kann - soll das teils weit über 2000 Zuschauer zählende Publikum jedes Wort verstehen. Gregor Sauer: "Dennoch war es nicht so, dass bei den Action-Szenen der Ton zu laut war."
Folgendes Equipment setzte die Sound-Crew beim Butzbacher Open-Air-Kino 2006 ein (Auszug):
18x EV XLE181; 11x EV XLD281; 4x EV X-Sub; 8x Dynacord Cobra PWH; 4x EV CP3000S; 4x Dynacord LX2200; 2x EV P2000; 1x EV P3000; 5x EV Dx38
Als Signalquelle wurde ein Dolby-Kinoprozessor CP500 eingesetzt. Deutschland-Vertrieb: EVI
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